Eine Ausstellung zum Geburtstag
Empfang von Maria Friederichs zu ihrem 100. Geburtstag in der Volksbank Warendorf – Ausstellung des Künstlers Heinrich Friederichs findet großen Anklang

Seinen Geburtstag in einer Bank zu feiern, käme den meisten Menschen sicher nicht in den Sinn. Natürlich könnte man an seinem Geburtstag eine Bank betreten aber dann sollte man nicht damit rechnen, dass der Vorstand und der Bürgermeister parat stehen und Blumen überreichen.

Dazu bedarf eines besonderen Grundes. Maria Friederichs hatte am vergangenen Dienstag (17. August) sogar doppelten Grund: Zurzeit werden die Werke des Warendorf Künstlers Heinrich Friederichs in einer äußerst gelungenen Ausstellung in der Volksbank der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Gleichzeitig feiert die Künstlerwitwe Maria Friederichs ihren 100. Geburtstag.

So konnte die Jubilarin auch gleich zwei Blumensträuße in Empfang nehmen – einen von Bürgermeister Jochen Walter und einen von Volksbank-Vorstand Paul-Ludwig Rosche, von den vielen Blumenpräsenten der geladenen Gäste einmal abgesehen.

Renate Schulze- Versmar, Vorsitzende des Kunstkreises, ist ebenfalls der Einladung in die Volksbank gefolgt. Und natürlich hatte auch sie einen Blumenstrauß dabei. Maria Friederichs wird es nicht müde ihre Gäste zu begrüßen und ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Wer die körperlich und geistig vitale Dame erlebt, kann nur sagen: „Sie ist Unglaublich“.

Volksbank-Vorstand Paul-Ludwig Rosche gelingt es in seiner Ansprache geschickt die Verbindung zwischen dem Künstler Heinrich Friederichs, den Kunstwerken, der Stiftung und dem außergewöhnlichen Geburtstag von Maria Friederichs zu ziehen.

„Es ehrt uns, ihre Familie und die Stadt Warendorf, dass sie ihren besonderen Geburtstag zum Anlass nehmen, eine umfassende Ausstellung der Werke ihres Mannes in unseren Geschäftsräumlichkeiten zu initiieren“, richtet Rosche sein Wort an die Jubilarin.

„Ich weiß das zu schätzen und bedanke mich dafür, dass die Kunst meines Mannes so gewürdigt wird“, kontert Maria Friederichs umgehend. „Ich danke meinen Kindern für die ganze Arbeit. Aber besonders bei Rosemarie, die hat das meiste gemacht“.

Maria Friederichs Klarheit und Direktheit ist einfach erfrischend. Sie fühlt sich inmitten der Werke ihres 1944 verstorbenen Mannes sichtlich wohl. Es geht ein strahlen von Maria Friederichs aus, eine sofort spürbare innere Freude, die die Menschen einfach anzieht.

Auch Bürgermeister Jochen Walter lässt es sich nicht nehmen, ein paar Worte an das Geburtstagskind zu richten. „Wir haben uns letztes Jahr zum 99. im Kloster in den Arm genommen, am Samstag im Engelchen und heute“, greift Walter die entspannte Atmosphäre auf. „Und nächstes Jahr nehmen wir uns wieder in den Arm“. Und das darf man als Tatsache betrachten.

„Auf jeden Fall“ fügt Maria Friederichs hinzu und kichert.

Walter betont, wie wichtig der Künstler Friederichs und seine Werke für die Stadt Warendorf seien.  Walter dankt der Künstlerwitwe ebenfalls für ihr Engagement für die Stiftung, durch die auch junge Künstler der Region eine Förderung finden sollen.

Und außerhalb des Mikrofons hört man etwas über eine Dauerausstellung flüstern.

 

Ziel der „Heinrich Friederichs-Stiftung“ ist es, Kunst, Kultur und Denkmalpflege zu fördern. Der Zweck der Stiftung soll dadurch erreicht werden, dass das künstlerische Lebenswerk Heinrich Friederichs erhalten, gepflegt und aufgearbeitet werden und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden soll.

 

Friederichs bildhauerische Arbeiten sind überwiegend in der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg entstanden. Sie sind geprägt von einer tiefen Religiosität und von dem künstlerischen Einfluss von Ernst Barlach, mit dem er während seines Studiums an der Kunstakademie Berlin-Charlottenburg engen Kontakt pflegte. Nach seiner Heirat mit Maria Sophia Uhlenbrock aus Freckenhorst am 26. April 1938 in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Milte, bestimmte der Ausbruch des zweiten Weltkrieges das Leben der jungen Familie. Nach zwei Jahren künstlerischen Schaffens wurde er 1941 als Sanitätssoldat einberufen und in den Osten abkommandiert.

Mit dem Beginn des Russlandfeldzuges kam Heinrich Friederichs an die Ostfront, wo Zeichnen und Malen mit einfachsten Mitteln auf kleinen Skizzenblättern, Feldpostkarten und -briefen für ihn der einzige Weg war, um den grausamen Alltag des Krieges, Leid und Zerstörung festzuhalten und zu verarbeiten. So wurde der Nachwelt eine große Anzahl vielfältigster Skizzen erhalten, die das Leiden der Zivilbevölkerung, verwüstete Landschaften und zerstörte Dörfer festhalten, aber auch Porträtskizzen von gefangenen Soldaten und die der eigenen Kameraden an der Front. Heinrich Friederichs starb am 10. August 1944 an den Folgen einer schweren Verwundung, die er beim Rückzug von Leningrad erlitten hatte. In einem Massengrab in der Weite Russlands fand er mit 32 Jahren seine letzte Ruhestätte.

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Fotos und Text: (c) Beate Trautner

 

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