Warendorf, 25. April 2007

Einhorn,Monde,Sagenwelten

Jochen Kublik präsentiert seinen Bilderkosmos im Historischen Rathaus

Der Kunstkreis Warendorf muss sich fragen lassen, ob es organisatorisch geschickt war, mit einer Tradition zu brechen, und  den traditionellen  Sonntagmorgentermin aufzugeben. Nicht wenige Kunstinteressierte erschienen neugierig um 11 Uhr, kamen auch in den Genuss einer stillen Vorbesichtigung – aber ohne den Künstler. Jochen Kublik erschien mit Gefolge um 15 Uhr, und sorgte ungewollt für eine Kollision mit der Vernissage in Liesborn – wo er übrigens auch mit einem großformatigen Exponat vertreten ist. Die Sommersonnenlaune wurde bei den spärlich erschienenen Liebhabern der schönen Künste durch die phantasievollen Welten des Künstlers aus Altenberge aber eher positiv gefördert.

 

Bürgermeister Jochen Walter begrüßte wohl gelaunt und rhetorisch bewandert seinen Namensvetter und das Publikum in den historischen Räumen.

Dr. Irmgard Schmieder als Vorsitzende des Kunstkreises übernahm den Stab im üblichen Procedere und reichte nach ihrer Ansprache das Privileg an Jochen Leifeld, Publizist und Freund des Malers, weiter.

 

Als Einführungsredner ging er auf die Kunstwerke selbst weniger ein, vielmehr versuchte er, inspiriert durch den Titel " Sagen-hafte Welten" eher das Atmosphärische, das Verspielte und Heitere einzufangen. Einerseits fügt J. Kublik – wie im Kinderspiel – die Elemente immer wieder neu zusammen und lotet alle möglichen Versuchsanordnungen präzise aus. Andererseits fixiert er die Bildideen immer wieder nach akribischen Prinzipien. Gern arbeitet der Künstler mit immer wiederkehrenden Vorlieben: Flora und Fauna, nostalgisches Spielzeug und Zitate aus anderen Epochen zieren seine Kreationen. Wenn auch handwerklich absolut überzeugend (er beherrscht die Drucktechnik ganz exquisit), ist doch der Versuch, die Nähe zu den etablierten Kollegen zu suchen, eher störend. Da werden die Schubladen aus Dali's surrealer Welt so aus dem Pegasus-Pferd gezogen, dass Ikarus schon aus der Montgolfiere abzustürzen droht. Die Papiertönungen und Randnotizen, die kalligrafische Ausführung, ja sogar das Signaturkästchen erinnern doch frappierend an Horst Janssen. Auch der Meister Vojska, der mit seinem Stil viele Studentengenerationen in Münster prägte, lugt unverhohlen aus vielen Bildecken.

 

Eine sehr schöne, eigenständige Arbeit bildet dann die Hommage an die blühende, italienische Renaissance. In den subtilen Werken "Cecilia Maria Gallerani " und "Venezianisches Doppelportrait" zeigt J. Kublik sein ganzes Können. Aber "vorwiegend heiter sei die Kunst" könnte in Abwandlung eines Zitates über dieser Ausstellung stehen. Logischerweise wimmelt und wogt es dann auch von farbenfrohen Zeppelinen, Blüten, Fabeltieren und Schmetterlingen auf der Erde und am schwerelosen Himmel seines eigenen,grenzenlosen Kosmos.

 

Besondere Beachtung verdienen auch einige intime Zeichnungen. "Atelier I und II " erlauben uns einen unverstellten Blick in seine private Schaffensphäre. Manche Titelwahl reflektiert seinen Humor, und die Frage "Wo ist das Kamel" beantwortet möglicherweise "Albrecht (Dürer) bei seinem Besuch bei Raffael". Kurz: Wer seine verlorengeglaubte Sagenwelt aus der Kindheit wiederentdecken will, wird hier fündig!

Die Ausstellung ist bis zum 27.Mai geöffnet.

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