Die Exkursion des Kunstkreises Warendorf am vergangenen Freitag zu Münsters Ateliergebäuden am Hawerkamp begann bereits am frühen Abend, um rechtzeitig zur Eröffnungsveranstaltung im „Triptychon" zu sein. Etwa ein Dutzend Teilnehmer machten sich auf den Weg gemacht und fanden sich in der etwas düsteren Atmosphäre der Künstlerkneipe in „Haus C" des ehemaligen Industriekomplexes wieder, die nur über zwei eiserne Außentreppen zu erreichen ist und in Vorbereitung auf die anstehende Performance bereits von eindringlichen Düften erfüllt war.
Als Begrüßungsredner erschienen auf der Bühne zunächst Grünen-Abgeordneter
Carsten Peters vom Verein „Erhaltet den Hawerkamp" und dann ein für die
Kunstkreis-Mitglieder und Kunstinteressierten alter Bekannter: Christian
Heeck hielt eine wie gewohnt mitreißende kurze Einführung und hatte als
Vertreter der „Interessengemeinschaft Kunst am Hawerkamp" die Sympathien
aller anwesenden Künstler und Besucher auf seiner Seite. Er ließ in
blumenreichen Worten die Vision eines großzügigen Gönners, eines
millionenschweren Mäzens in der Vorstellung der Anwesenden entstehen, der
den durch Abriss von Industriegebäuden entstandenen Freiraum auf dem
Hawerkamp-Gelände für den Bau eines von Künstlern zu nutzenden modernen
Atelier- und Ausstellungsgebäudes verwendet. Infrage kommende Vertreter der
Großfinanz, die durch ihr Verhalten Ansehen und Vertrauen verspielt hätten,
könnten sich auf diese Weise auch mal von ihrer guten Seite zeigen und so
einen Teil ihrer „Schuld" abtragen. Dass es sich hierbei nur um eine Utopie
und den schönen Traum eines Künstlers handelte, war allen Zuhörern klar.
Andererseits können Träume bekanntlich auch wahr werden.
Die nun folgende Performance des chilenischen Künstlers Mauro hatte die zu befürchtende Zerstörung eines landschaftlich intakten Gebietes seiner südamerikanischen Heimat durch einen mächtigen amerikanischen Konzern zum Thema, der zur Gewinnung goldhaltigen Erzes Berge abtragen und Gletscher abzuschmelzen will. Es war ein sehr eindringlicher Performance-Beitrag dieses ehemaligen Schülers der Kunstakademie Münster. Die Zuschauer waren beeindruckt.
Bei dem anschließenden Rundgang durch die offenen Ateliers in fünf Gebäuden konnten die ausgestellten Kunstwerke der Gattungen Malerei, Graphik, Bildhauerei und Photographie, aber auch Designer-Arbeiten der Bereiche Illustration und Graphikdesign bis 22 Uhr besichtigt werden. Auch am Samstag und Sonntag waren die Ateliers geöffnet und laut Mitteilung der Veranstalter sehr gut besucht.
Ein direktes Gespräch mit den Künstlern war vielerorts möglich. Die meisten Künstler zeigten sich erleichtert, dass durch die Verträge der „Interessengemeinschaft Kunst am Hawerkamp" mit der Stadt Münster nunmehr Planungssicherheit besteht, und die Vermietung der Räume als Ateliers in Selbstverwaltung bis zum Jahr 2015 erst einmal gesichert ist.
Die Stadt Münster wäre gut beraten, dem Vorbild anderer Städte wie z.B.
Leipzig zu folgen und die noch erhaltenen Gebäude auf der Industriebrache
weiterhin Kunstschaffenden zur Verfügung zu stellen. Es könnte Groß-Artiges
daraus entstehen!
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Warendorf 01.11.2006