Bericht über den Vortrag von Christian Heeck
: „Entartete Kunst“ am 20. 11. 08
( Titel der Ausstellung 1937 in
München)
von Jochen Walter, Franz Göbel, Dr. Elmar Niehoff, Renate Schulze Versmar
Zu diesem Thema luden der Kunstkreis Warendorf
und die VHS ins Dachtheater am Wall ein.
Schon beim Eintritt wurden die 60 Besucher durch ein Foto der brennenden Frankfurter Synagoge auf den bedrückenden geschichtlichen Hintergrund dieses Themas eingestimmt.
Der Kunstkritiker Christian Heeck aus Münster öffnete seinen beeindruckenden kunst- und kulturgeschichtlichen Fundus und fesselte die Zuhörer mit einem zweistündigen Vortrag.
Heeck ging anfangs auf die Vorgeschichte der NS-Zeit ein: „Die Wurzeln liegen in der Wilhelminischen Zeit, wo das ‚Deutsch-Nationale’ pathetisch verklärt wurde.“
Ab 1933, nach der Machtübernahme überziehen die Nazis das Land mit einem perfekten System der Einschüchterung, Unterdrückung und Verfolgung. Dieses richtet sich von Anfang an auch gegen die Kunst. “Menschenverachtung und Kunstverachtung gingen Hand in Hand“. Heeck erinnerte an die Bücherverbrennung von 1933 in Berlin. Gerade hier hatte nach dem 1.Weltkrieg eine Zeit der kulturellen Blüte und der künstlerischen Freiheit begonnen.
Damit war es nun vorbei. Das „ 3.Reich“ brachte den Paradigmenwechsel auf eine anfangs nie vermutete brutale und radikale Art und Weise.
Wer eine Passage nach Übersee bekam, konnte dem Grauen entkommen, wie z.B. Max Ernst.
Die meisten flüchteten in die äußere oder innere Emigration, mussten sich in ständiger Angst
verstecken, wie z.B. Max Beckmann.
Unfassbar war auch das Malverbot, wie es Emil Nolde erlebte, oder das Berufsverbot von Max Liebermann und Paul Klee. Ernst Barlachs Skulpturen wurden eingeschmolzen und für Kriegszwecke verwendet. Der jüdische Maler Felix Nussbaum wurde im Konzentrationslager ermordet. Einige Künstler nahmen sich das Leben, wie Ernst Ludwig Kirchner, Oskar Schlemmer verhungerte.
Im Zuge der Verfolgung wurden 16 000 Bilder aus 32 Museen beschlagnahmt und der Öffentlichkeit und Nachwelt entzogen. Eine durch Aufbruchstimmung gekennzeichnete Epoche der Kunstgeschichte ging verloren.
Zeitgleich zur Ausstellung „Entartete Kunst“
mit 650 konfiszierten Kunstwerken, zeigten die Nationalsozialisten
in München 1937 im neu erbauten
„Haus der Kunst“ ihre „Völkische Kunst“. Die Bilder und Skulpturen
entsprechen ihrem Rollen- und Schönheitsklischee vom Menschen und werden
zu Propagandazwecken benutzt.
Der Neuanfang nach Kriegsende war schwierig, die Welt hatte sich verändert, die Metropolen Europas waren verwüstet . Die Distanz zur Moderne änderte sich nur zögerlich. Die Zentren der Zukunft liegen nach 1945 in den USA, war es doch Exil für viele deutsche Künstler.
Der Referent schloss seinen Vortrag mit dem
Ausdruck seiner Hochachtung und seines Respekts gegenüber den
gedemütigten Künstlern und allen Menschen, die den Mut zum Widerstand
gegen Terror, Gewalt und Wahn aufbringen.