
Fahrt des Kunstkreises zur Ausstellung: Orte der Sehnsucht - Mit Künstlern auf Reisen
von Henrike Dufhues
Die vierundzwanzig Kunstinteressierten, Mitglieder des
KunstkreisesWarendorf und Freunde, reisten bequem im Zug oder im PKW an.
Welche Strapazen und Gefahren um 1500 Albrecht Dürer auf sich nahm um
nach Italien zu gelangen, kann sich der Pauschalreisende und
Vielflieger von heute nicht mehr vorstellen.
Dürer war einer der ersten, der nicht in religiösem , wirtschaftlichem
oder wissenschaftlichem Auftrag reiste, sondern zur eigenen
künstlerischen Selbstfindung und Weiterentwicklung.
Fr. Hennecke vom LWL Münster berichtete, dass die Vorbereitung der
Ausstellung drei Jahre in Anspruch nahm und dass zehn Kuratoren jeweils
ein Reiseziel betreuten. So kam es vermutlich, dass aus ursprünglich
250 geplanten Exponaten 550 wurden.
In einem rasanten Rundflug ging es in der anderthalbstündigen und
kurzweiligen Führung von der frühen Rennaissance bis zur amerikanischen
Landart. Vom Italien Goethes , der auch selbst gemalt hat , und Rubens
weiter in den Orient zu Karawanen- und Wüstengszenarien, in denen man
die sengende Sonne im Nacken zu spüren glaubt. Auf der überaus
ertragreichen Tunisreise der Malerfreunde Macke, Klee und Moilliett
entstanden sonnenflirrende Aquarelle, Entwürfe und Skizzen, die in
wenigen Strichen alles erzählen. Weiter ging es über massive Gebirge
urwüchsiger Alpenregionen, die uns Achtung und Demut vor der Schöpfung
lehren (Turner, Nolde, Kirchner) zu wilden skandinavischen Fjorden und
Gletschern ( Achenbach, Dahl). Nach einem kurzen Abstecher in
die Metropolen Paris, wohin die lebenshungrige Paula Modersohn-Becker
aus dem beschaulichen Worpswede mehrmals geflohen war und dem New York
Dalis und Marcel Duchamps zu den Tahiti-Schönheiten Paul Gauguins. Die
Südsee war schon zu seiner Zeit nicht mehr das Paradies, das er uns
glauben machen wollte. Mehr wissenschaftlich als die teilweise
romantisch idealisierten Werke sind die Bilder, die in Südamerika
entstanden. Flora und Fauna waren die Sujets der malenden Begleiter
Alexander v. Humboldts und anderer Expediteure. In Samarkand, Indien,
Bali und Sumatra war die Fotografie klimabedingt war das bevorzugte
Mittel zur Darstellung asiatischer Menschen, Architektur und
Landschaften. Der nordamerikanische Kontinent schliesslich ist in
Landschaftsgemälden aus dem 19. Jahrhundert und Fotos, die unter
anderem die Verhüllungsaktionen des Künstlerpaares Christo und Jeanne
Claude zeigen, repräsentiert.
Nach einer kurzen Verschnaufpause im Museumscafé machten sich die
Warendorfer jeder für sich auf ihr Sehnsuchtsziel zu finden. 550
Bilder, das ist viel, aber nicht zuviel, waren sie sich einig, und die
Jubiläumsausstellung zum 100. Geburtstag des Landesmuseum Münster wird
der ein oder andere gern ein 2. Mal besuchen.
Der nächste Ausflug des Warendorfer Kunstkreises geht voraussichtlich am
18.01.2009 zu einer Ausstellung der russisch-französischen Malerin Sonia
Delaunay in der Kunsthalle Bielefeld.